Kosovarin stirbt nach Abschiebung – Anwalt und Caritas kritisieren Behörden

Mayen/Bonn (epd). Einen Monat nach ihrer Abschiebung in das Kosovo ist
eine 47-Jahre alte kranke Roma an den Folgen einer Hirnblutung
gestorben. Jens Dieckmann, Bonner Anwalt der dreiköpfigen Familie,
erhebt jetzt wegen der überstürzten Abschiebung am 7. Dezember Vorwürfe
gegen die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und das Mainzer
Innenministerium. Es habe sich bei Frau Borka T. um eine besonders
schutzbedürftige Person gehandelt, sagte Dieckmann am Montag dem epd.

Die Nachricht von ihrem Tod sei «schrecklich und empörend».

Mehrere fachärztliche Atteste hätten Frau T. eine Posttraumatische
Belastungsstörung, Depression und eine Neuralgie bestätigt. «Sie war in
fachärztlicher Behandlung und unterzog sich mit Unterstützung der
Caritas Mayen einer speziellen Trauma-Therapie», erklärter Dieckmann.

Markus Göpfert, Leiter des Fachdienstes Migration des
Caritasverbandes, hält einen Zusammenhang zwischen dem Abbruch der
Medikation von Frau T. im Kosovo und ihrem plötzlichen Tod für
wahrscheinlich. «Die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz hätte vor der
Abschiebung die Diagnose überprüfen müssen», sagte er. Stattdessen habe
ein bei der Abschiebung anwesender Arzt lediglich die Flugtauglichkeit
von Frau T. überprüft.

Entgegen der Annahmen des Gerichts seien in Pristina weder Ärzte
noch Mitarbeiter der deutschen Botschaft oder von Hilfsorganisationen
auf dem Flughafen gewesen, sagte Dieckmann. Nach Erledigung der
Einreiseformalitäten sei die Familie, die lediglich die 220 Euro
dabeihatte, völlig auf sich selbst gestellt gewesen. Frau T. habe weder
Medikamente noch Geld für einen Arzt gehabt. «Die Abschiebung bedeutet
faktisch einen Abbruch der fachärztlich gebotenen psychiatrischen
Behandlung», heißt es in einer Pressemitteilung Dieckmanns.

Die Caritas und der Anwalt kritisieren neben der Kreisverwaltung
auch das Mainzer Innenministerium wegen der fehlenden ärztlichen
Betreuung für die schwer kranke Frau am Flughafen Pristina. Zudem sei
der 14-Jährige Sohn der Familie nach dem Beschluss der
Innenministerkonferenz vom 19. November in Stuttgart abgeschoben worden,
die festlegte, gut integrierten, aber lediglich geduldeten
minderjährigen Flüchtlingen eine Aufenthaltserlaubnis anzubieten.

Diese solle bis zu deren Volljährigkeit auch für die Eltern gelte.

Das Bundesland Rheinland-Pfalz erließ am 23. Dezember einen
entsprechenden Abschiebstopp. «Der Familie ist großes Leid und Unrecht
zugefügt worden», sagte der Anwalt. Er forderte die Landesregierung auf,
sich aus humanitären Gründen für die Rückkehr von Vater und Sohn
einzusetzen. Zu den Vorwürfen äußerten sich auf Anfrage die
Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und das Mainzer Innenministerium bisher nicht.

Pressemitteilung (RTF) von BECHER & DIECKMANN Rechtsanwälte